Freitag, 24. Juli 2015

Endspurt

Tja, bald ist es so weit. In nicht einmal zwei Wochen geht der Flug in die Heimat.
Am Dienstag bin ich von einem schönen verlängerten Wochenende in Cape Coast wieder gekommen, fast die ganze Gruppe war dort. Mein Geburtstaggeschenk von allen war „Shopping King Ghana“; mit Shopping Budget, Shoppingbegleitung und dem Motto „First Date“ sollte ich ein Outfit vom Markt zusammenstellen. Mein Team hat natürlich gewonnen! Feiern und schwimmen ging es selbstverständlich auch, bevor wir das Trotro zurück nach Kumasi genommen haben.

Zurück im Projekt gibt es ja noch so viel zu erledigen! Souvenirs kaufen, die Abschlussexamen des Schuljahres von 8 Klassen werden geschrieben und wollen korrigiert werden. Es fehlen doch noch so viele Bilder und Videos von Kumasi. Ein kleiner Ausflug zum Pool muss nochmal sein. Einmal ging es noch zum Deutschunterricht nach Effiduasi, Abschiedsstunden. Mit den Besuchern aus New York werde ich noch ein paar Räume streichen können. Ich habe zwar seit einem Jahr dafür gekämpft und wurde immer, auch von Uncle, abgewiesen, aber die Amis kriegen die Farbe nach einer Woche. Da heißt es: Trotz dieser unverschämten Respektlosigkeit gegenüber mir nicht aufregen- lieber den New Yorkern helfen, die auch nichts dafür können. Infos über die Brieffreundschaft müssen noch für den Lehrer, der diese bis zur Ankunft der neuen Freiwilligen übernimmt, erstellt werden. Dann das End-Year Camp, von nächsten Freitag bis Sonntag. Vom Großteil der Gruppe verabschieden, eine Nacht nach Tanoso, die Leute aus meinem „Viertel“ nochmal sehen. Dann geht es mit ein paar Freiwilligen nach Accra. Am nächsten Tag, dem Dienstag  -bestimmt geht’s noch schnell zum Independence Beach und ein Fufu essen- geht dann um 17:50 Uhr der Flug über Dubai. Am 5. August gegen halb zwei sollte ich dann Düsseldorf erreichen.

Geht das nicht alles doch zu schnell? In diesem (fast) einem Jahr habe ich doch sicher nicht oft genug Ananas gegessen, bunte Hosen schneidern lassen, mit Kindern gespielt, im Ozean gebadet, die Landschaft genossen und Fan Ice auf der Straße gekauft, oder? Selbst wenn nicht, ich muss es nun nehmen wie es kommt.

Aber so langsam reicht es dann auch doch mit: Reis, Obroni-Rufen, Reis, schweißtreibendem Wetter, vor einer Klasse stehen, mit der Schulleitung auseinandersetzen, Unpünktlich- und Unzuverlässigkeit und natürlich Reis. Stattdessen warten in der Heimat Familie und Freunde, leckeres Essen und eine Menge Pläne! Das Studium der Medienkulturwissenschaft und der Deutschen Sprache und Literatur in Köln steht. Dementsprechend kann ich sagen: Das Jahr war schön, ich habe Einiges gesehen und erlebt, aber es ist nun auch an der Zeit, zurückzukommen.

Ein ausführliches Resümee kann ich von dem Jahr noch nicht liefern. Aber es gab schöne und unschöne, faszinierende und schockierende, ziemlich deutsche und ziemlich ghanaische Momente. Insgesamt hat also eigentlich alles funktioniert, was ich wollte: Neues sehen, eine andere Kultur kennenlernen, und dabei sinnvolle Dinge tun. Vielleicht war nicht alles sinnvoll und auch der Freiwilligendienst hat so seine Punkte, die man anzweifeln kann. Aber ich habe auf jeden Fall so manches mitgenommen, dazu zählen: Eigenständigkeit, Eigeninitiative und vor allem der Umgang mit verschiedensten Menschen. Reiseerlebnisse sind meistens toll, zumindest werden die tollen wohl besonders in Erinnerung bleiben. Und ich weiß, dass viele Reisen folgen werden!

So, jetzt muss ich aber schnell in die letzten elf Tage starten! Etwas Bildmaterial und noch ein Eintrag sind schon gepostet- ein Video von Kumasi sollte noch folgen!

Liebe Grüße aus Tanoso,

Joel
Effiduasi

Gestern war ich das letzte mal in Effiduasi, um die Deutschexamen (die diesmal besser liefen) vorbei zu bringen und um uns zu verabschieden. Auch der Direktor hat sich bei uns bedankt und es gab ein Zertifikat für Ramona und mich. Hier mal ein paar Bilder von der American Cooperative School, bei der ich seit Februar einmal die Woche unterrichtet habe.

Vor der Schule
Schulgebäude



Pause
Gebäude mit Stil


Der Direktor der American Cooperative School in seinem Büro.
Und der Sekretär.
Ramona.
Unterricht in der 6. Klasse.


Im Office.
Mittagspausenplatz: Die Bücherei. Donnerstags gibts meistens Rice Balls.
Tankstelle vor der Schule.
Nach dem Unterricht gehts hier oft noch auf ein paar Erfrischungen.


Die Frau des Schulbesitzers überreicht uns Zertifikate.
Kirchenbesuch vom November 2014


Damals haben Richi und ich einen Lehrer der Schule in seine Kirche begleitet. Den Zusammenschnitt davon wollte ich euch natürlich nicht vorenthalten! 

In Ghana gibt es aber so viele Kirche, dass diese auf keinen Fall repräsentativ für die Anderen ist; von den meisten hat man in Deutschland noch nicht gehört. Alle bezeichnen sich als Christen und stützen sich auf die Bibel, unterscheiden sich aber meistens in der Form, wie sie Gottesdienst betreiben.

 Das Thema Religion und Christentum in Ghana finde ich gleichzeitig faszinierend und schockierend. Aus dem Alltag ist die Religion nicht wegzudenken; ob aus der Schule, von Werbeplakaten oder Bibelzitate auf Taxis. Irgendwie wird alles mit Religion in Verbindung gebracht, wobei das Christentum am weitesten verbreitet ist (70%). Es gibt auch viele Muslime und wenige Traditionalisten, die eigentlich nicht auffallen. Oft sind es aber Mischformen, so können christliche Kirchen traditionelle Elemente enthalten. 

Ich sehe das Thema Religion in Ghana auch ziemlich kritisch, da die Kirchen oft sehr extrem sind; teilweise sind es ihre Gottesdienste. Getanzt und Gesungen wird neben sehr enthusiastisch vorgetragenen Predigten oft; es gibt Kirchen, die haben ganze Nächte Gottesdienst. In den Kirchen geht es auch viel um Geld, und ich finde, dass sich Ghanaer zu wenig Gedanken um die Auslebung des Glaubens machen. Ohne Glauben kann man am gesellschaftlichen Leben nicht teilnehmen, das fängt schon sehr früh in der Schule an. Ich habe schon viele Diskussionen mit Lehrern, Schülern oder fremden Sitznachbarn im Trotro darüber geführt. Die Missionare haben zu gute Arbeit geleistet, könnte man meinen.

Wie auch immer, Ghanaer sind in Fragen der Religion sehr tolerant; wenn man denn eine hat.

Ich hatte zwar einen recht langen und ausführlichen Eintrag zu diesem Thema vorbereitet, aber über den Rest berichte ich lieber in Deutschland und zeige euch hier das Video:



Grüße aus Tanoso!

Freitag, 10. Juli 2015

Video Schulfest II


Grandma ist wieder im Hause! Das Schulfest diesmal gab es aber nicht ihr zu Ehren, sondern für 5 Amis aus New York. Die Cornell University hat einiges für die Schule gespendet, unter anderem hat sie den Computerraum ausgestattet. Seit 3 Jahren kommen nun immer neue Studenten von der Uni, um die Schule zu besuchen. Diesmal für 5 Wochen, also meine ganze restliche Zeit. 

Ich sehe das ganze natürlich etwas kritisch, da durch die Spenden sämtliche Klischees auf beiden Seiten unterstützt werden: Der weiße Mann muss kommen, damit es im Land voran geht. So fühlt sich die Regierung auf Dauer nicht aufgefordert, selbst zu handeln; auch die Menschen hier fühlen sich in dem Bild bestätigt, das jeder Weiße reich ist. Einige von den Studenten sehen das zwar ähnlich; dennoch machen auch sie fleißig Selfies mit den Kindern und posten diese auf Facebook. Ist ja alles gut und schön, aber was will man damit vermitteln? Die Kinder werden meiner Meinung nach dadurch Mittel zum Zweck, um zu zeigen, das man ausgeflogen ist, um zu "helfen". Selbst wenn es nicht so gemeint ist; ohne weitere Erklärungen kommt oft genau diese Botschaft an. Wenn jemand in Deutschland ein Praktikum im Kindergarten macht, stellt diese/r doch auch eher selten Bilder von sich mit den Kindern ins Netz.


Aber ich will euch ja hier ein paar Eindrücke vom Schulfest geben! Leider ja mit schlechterer Kamera, aber ich denke es reicht aus! Achtung: Tanzende Lehrer am Ende des Videos! Die Willkommens Party für mich damals habe ich wohl irgendwie verpasst...Aber ich habe ja auch nichts gespendet.


Vergesst nicht den Reisebericht mit Bildmaterial zu lesen!


Enjoy!



Travels



Hallo nach Deutschland!

Dort ist es ja gerade sogar wärmer als hier, wie ich mitbekommen habe...
Mit dem Berichten über meine Reisen bin ich mal wieder etwas spät dran, und es gibt noch eine schlechte Nachricht: Kurz vorher hat jemand beim Central Market, bei meiner allwöchentlichen Fahrt nach Effiduasi, versucht meine Kamera zu klauen. Natürlich habe ich mir vorgenommen, diese in jedem Fall todesmutig zu verteidigen, was zu einem Gezerre um die Kameratasche geführt hat. Ich habe zwar gewonnen, die Kamera ist allerdings kaputt; ich weiß zumindest nicht, wo man sie hier reparieren kann. Auf der Reise mit Alex konnte ich so leider weder Bild- noch Videomaterial aufnehmen; bei der Reise mit meiner Mutter habe ich mit einer geliehenen Digitalkamera aber Bilder gemacht und mache nun auch Videos damit, leider nicht in der gewohnten Qualität. „Abends an dieser Stelle ins Trotro einsteigen ist gefährlich? Jaja…“ So reagiere ich mittlerweile nicht mehr, falls mich jemand darauf hinweist. Im belebten Stadtzentrum treiben sich bei Dunkelheit einige Taschendiebe rum. Über die erste Reise kann ich also nur schriftlich berichten.

Teil I - Den Traumstränden hinterher

Ein paar Tage nach meinem Geburtstag im Mai, der mit Geburtstagsfrühstück und Ständchen von den Kids übrigens sehr schön war, war es dann soweit: Das erste Mal seit 8 Monaten sollte ich jemanden aus Deutschland wieder sehen, Alex. Am Anfang dachte ich, es könnte komisch werden, jemanden aus der Heimat hier zu haben, aber es war eigentlich wie immer. Nachdem ich ihn im Flughafentumult entdeckt und wir eine Nacht im Hostel bei „Mama Tena“ verbracht haben, ging es erstmal nach Kumasi.
Hier konnte Alex dann sehen, wovon ich immer erzählt habe: Mein Projekt, Tanoso, den Central Market. Meinen Geburtstag haben wir auch mit den Kumasi-Leuten gefeiert. So hat er sich direkt an das ghanaische Leben gewöhnen können: Es ist bunt, laut, teilweise unübersichtlich und anders. Stromausfälle haben die Reise von Anfang an begleitet; er war länger ohne Strom hier, als mit. Nachdem das alles gesehen und erkundet war, ging es direkt an den Strand, denn so war der Plan: Im Westen anfangen, und dann entlang der Küste bis in den Osten, noch hinter Accra. Weitestgehend hat das geklappt; da vieles auf dem Programm stand, waren wir aber nirgends länger als zwei Tage.

Es fing alles am Traumstrand von Busua an. Hier ist es eher touristisch, viele Freiwillige aus Ghana kommen hier her um Surfkurse zu machen. Es hat uns sehr gefallen, da es dementsprechend relativ belebt war. Alex hat sich an den günstigen Preisen erfreut; während der ganzen Reise noch. Mein Mitfreiwilliger Andras wollte sich das auch nicht entgehen lassen. Im Dunkeln ist Alex leider gegen einen Stein am Strand gelaufen, mit seinem Zeh hatte er dann bis zum Schluss Freude; dieser war am Ende grün. Aber man kann ja nicht nach Afrika reisen, ohne mit Verletzungen aus der Wildnis zurückzukommen. Man muss ja ein paar Klischees erfüllen.

Dann ging es zu Fuß am Strand entlang, über eine Klippe, zum nächsten, mir schon bekannten Ziel: Das Paradies in Butre. Bestes Essen, wenig Menschen und Palmen – der Ort zum Hardcore-Chillen. In der bekannten Lodge haben wir zwar gegessen, geschlafen haben wir diesmal aber bei einem Rastafari, der ein Zimmer für Gäste mit einem gemütlichen Garten zusammengewerkelt hat. Nach zwei Nächten ging es für Alex und mich weiter nach Cape Three Points; der südlichste Ort Ghanas, und zugleich der westlichste, an dem wir waren. Gut, nicht ganz so spektakulär, da Ghana in der Kurve von Westafrika liegt. Aber schön wars. Bis auf das Hostel: Eine Ökolodge, mit Ökoklo. Das Handy aufladen musste man auch bezahlen. Mit mehreren ganz cool, aber nicht so der Ort für uns. Das nächste Dorf ist 30 Minuten entfernt und bietet Reis als kulinarische Spezialität. Nach einer Nacht und einem kurzen Gang auf den Leuchtturm, sind wir dann nochmal zurück ins bewährte Busua gefahren, dort kann man übrigens günstig Jetski fahren, was wir ausgenutzt haben.

Das waren natürlich drei Topstrände der Westküste, danach ging es in die Central Region, nach Winneba. Mit Strand und Wasser grundsätzlich nicht verkehrt, aber die Müllsituation war erschreckend. Also kein Vergleich zum Westen. Am Abend haben wir andere Freiwillige kennengelernt und eine gute Zeit gehabt. Dann hatten wir ein paar Probleme, die Rechnung zu bezahlen. Stromausfall, leere Geldautomaten und ein Sonntag sind keine gute Kombination. Mein Rat: In Ghana immer genug Bares dabei haben. Aber da gibt es viele Geschichten von der Reise mit meiner Mutter zu erzählen…Am Ende haben wir einen Geldautomaten MIT Geld gefunden, und uns von Winneba verabschiedet. Letzte Station, bevor es wieder zurück nach Accra ging: Ada Foah in der Volta Region.

Das liegt noch hinter Accra, hier mündet der Volta River in den Atlantik. Übernachtet haben wir in einem deutschen Hostel, ziemlich Öko angehaucht- Öko-Klo. Und die anwesenden Inder haben es wegen fehlendem Generator noch am selben Abend lautstark verlassen. Alex hatte zum Schluss leider doch noch Magenprobleme, wobei wir sehr europäisch gegessen haben. Noch fix eine Bootstour zu einer Insel, auf der Akpeteshi-Schnaps hergestellt wird. Dieser schmeckt um 9 Uhr morgens besser, als man denkt. Dann ging es schon wieder nach Accra. Also alles recht erfolgreich! Alex hat hin und wieder unter den Umständen gelitten, schien aber auch zufrieden. Dann kam auch schon der nächste Besuch!

Alex geht...
...Mama kommt.
Teil II - Pleiten, Pech und Pannen. Trotzdem eine schöne Reise!

Am selben Tag, an dem Alex seinen Rückflug angetreten hat, kam meine Mutter. Am Flughafen haben sie sich noch getroffen. Wenn man Besuch aus der Heimat bekommt, will man Ghana möglichst gut darstellen; dass hat sich leider bei der folgenden Reise schwieriger dargestellt, als üblich.

Am ersten Abend ging es wieder zu Mama Tena, außerdem noch kurz ein ghanaisches Bier trinken. Im Dunkeln ist meine Mutter dann direkt in eines der berüchtigten Regenrinnen am Straßenrand gefallen. Sie hat also ebenfalls am ersten Tag einen blauen Zeh bekommen, der die komplette Reise etwas gestört hat.
Nachdem es am nächsten Morgen kein Frühstück gab, weil die gesamte Theke des Supermarkts leer war (was ich noch nie erlebt habe) und der Handymann eine Stunde statt der üblichen 5 Minuten zum Registrieren ihrer Simkarte gebraucht hat, ging es auf nach Keta. Auch in der Volta Region, noch östlicher als Ada Foah. Beim Einsteigen ins Trotro wurden wir direkt mit der Taxi Mafia in Ghana konfrontiert; noch nicht an der Station angekommen, wurden wir schon von fünf Fahrern belagert. Alles sehr anstrengend für jemanden, der noch gestern in Deutschland war.

In Keta soll wohl Tourismus aufgebaut werden- das funktioniert nicht. Dem Tipp eines anderen folgend, war das erste angelaufene Hotel am Strand, mitten im nichts, schonmal absolut leer. Außer uns. Essen: Fehlanzeige. Also, schon in der Dunkelheit, wurden wir zu einem anderen Hotel mitgenommen. Kosten: 200 Cedi pro Nacht. Bei Mama Tena waren es 12. Dafür habe ich in dem besten Hotelzimmer geschlafen, in dem ich je in Ghana war und wohl sein werde! Für die zweite Nacht ging es dann aber natürlich in ein günstigeres; dass es nur 200 Meter entfernt war, haben wir im Dunkeln natürlich nicht gesehen. Dieses Hotel war groß, aber viele Gäste gab es nicht. Die Kühlschranktür fiel auf den blauen Zeh von meiner Mutter, beim Versuch, diese zu öffnen. Das wir Frühstück wollten, hat die Hotelbetreiber etwas überrascht. Nach einer halben Stunde hatte jemand was für uns gekauft, nach einer weiteren halben Stunde haben wir Brot und Ei serviert bekommen. Nicht gerade aufwendig, für eine Stunde Wartezeit. Wir waren zwar gefühlt immer noch im Nichts, aber einen Pool hatte das Hotel. Und auch ein schlechter Strand ist immer noch ein Strand. 

200 GHC Bungalow








Strand von Keta
Fischerboote
Hier und da ne Plastiktüte...

Es ging gen Norden weiter in die Volta Region- ein anstrengender Reisetag folgte. Von Keta mit dem Trotro nach Aflao, von Aflao in die Hauptstadt der Volta Region Ho, von Ho nach Hohoe und von dort in das Dorf Wli, an der Grenze zu Togo. Hotel ohne Essen und ohne Strom. Aber ich habe ein kleines Menü vom Markt zusammengestellt. Am nächsten Morgen gab es dann eine Tour zu den bekannten Wli Wasserfällen- wir haben uns für die 6-stündige entschieden, trotz des Zehs meiner Mutter. Nach dem sich zwei Tour Guides um uns gestritten und nicht geeinigt haben, sind wir einem gefolgt. Und dann ging es erst mal den Berg hoch, einen richtigen Weg gab es nicht. Das hieß: Durch den Wald und klettern. Alles sehr anstrengend, aber für die Aussicht oben und die Natur allgemein lohnt es sich allemal! Respekt an meine Mutter, das sie es mit ihrer Verletzung geschafft hat. Nach Togo konnte man auch rüberschauen. Aber wofür es sich am meisten gelohnt hat, war natürlich der Upper Waterfall! Dieser ist gewaltig und beeindruckend, wenn man drunter steht. Das Wasser war auch sehr erfrischend. Noch kurz zum Lower Waterfall, der auch schön war und die Tour war vorbei. 

Blick auf Wli

 
Upper Waterfall
Erfrischend wars!
Ziemlich hoch, selbst der Lower Fall!

Dann ging es weiter nach Amedzofe, dem höchste Dorf Ghanas. Vom Trotro wurden wir auf halben Wege rausgelassen, und es hieß, dass es nur noch Motorradtaxis den Berg hinauf gäbe. Ich hätte es trotz des Gepäcks sofort gemacht, meine Mutter hat allerdings gestreikt. So hat dann noch jemand ein Taxi gerufen, welches uns zu einem Hotel mit einem sagenhaften Ausblick über die Berge gebracht hat. Dort oben hatte man so viel Ruhe im Vergleich zum stressigen Rest. Den Gipfel habe ich auch noch erklommen; nach der 6 Stunden Tour am Vortag war das ein gemütlicher Spaziergang.

 
Gipfel
#krasseaussicht #windig

Geduldsprobe. Gibt's hier oben Taxis?
Das höchste Dorf Ghanas ist...ziemlich dörflich.
  
Die Schiffsreise, ein Alptraum

Anschließend ging es wieder nach Ho, um von dort aus nach Akosombo in der Eastern Region zu kommen, wo wir zum dunkelsten Part der Reise aufbrachen: Am folgenden Tag ging  es auf das Schiff von Akosombo nach Yeji in der Nothern Region. Dieses Schiff fährt jeden Montag und verschifft Yamswurzeln, wenn es in die andere Richtung zurückfährt. Laut Reise führe sollte es drei Klassen geben: Einzelkabinen, Mehrbettkabinen und das Deck. Pünktlich um 8 Uhr morgens stand ich mit meiner Mutter als einzige im Akosombo Hafen am Ticketschalter. 1. Klasse? Gibt’s nicht. Mehrbettkabinen? Leider alle voll. „Hätten Sie eher kommen müssen.“ Ich liebe übrigens die Kundenfreundlichkeit einiger Ghanaer. Geschmeidige 12 ½ Stunden später fuhr das Schiff auch direkt los, 4 ½ Stunden später als geplant. Der Gabelstapler war kaputt, aber er musste ja die ganzen Palletten verladen, die ehrlich gesagt nach Sperrmüll aussahen. Also der Härtetest in Sachen ghanaischer Geduld! Aber so hatten wir Zeit, uns mit Essen vom Markt für die Reise einzudecken.

Tatsächlich mussten wir auf den blanken Dielen schlafen; das wollte ich meiner Mutter eigentlich nicht zumuten, aber es ging nicht anders. Aber damit nicht genug. Wir waren ja nicht 1. Klasse, was es uns verbot, auf die Toilette der 1. Klasse zu gehen! Die Hock-Toilette der 2. Klasse war aber keine Alternative. Nachdem ich nachgefragt habe, wurde die 1. Klasse Toilette auch penibel abgeschlossen, damit wir nicht auf illegale Ideen kommen konnten. Danke für gar nichts, Volta River Authority!

Die Fahrt, bei der wir die Landschaft nicht so richtig genießen konnten, dauerte mit Zwischenstopp genau 31 Stunden. Aufgrund der Verspätung trafen wir gegen halb drei nachts am Zielort ein- wollten aber am nächsten Morgen um sieben Uhr weiter nach Tamale, die Hauptstadt der Northern Region, um von dort zum Mole Nationalpark zu kommen. Bzw. wir mussten, da man noch einmal den Fluss mit der Fähre überqueren musste, die aber nur einmal täglich fährt. Also gings für zwei Stunden ins Hotel. Die Fähre fuhr nicht um sieben Uhr. Wir haben sie auch nicht genommen; wegen des niedrigen Wasserstands ist diese einen riesigen Umweg gefahren. Stattdessen sind wir auf einem Kanu mitgefahren; komplett überfüllt, mit Motorrädern, die man im Norden mehr als Autos nutzt, zusätzlich beladen. Gegen zehn haben wir die andere Seite erreicht! Jaja, in 15 Minuten ist man drüben, hieß es. Dort ging die Tortur weiter. Der Bus nach Tamale sollte kommen. Tat er aber nicht. Auch nicht nach drei Stunden. Gestern sei er noch pünktlich gewesen. Es war eine Klischee Situation: Man steht im nichts und schaut in die vor Hitze flimmernde Ferne, weil man auf diesen einen Bus wartet. Nach besagten drei Stunden haben wir uns dann mit anderen ein Taxi geteilt, mit dem es zu einem Ort gehen sollte, wo man einen Bus bekommt. Noch kurz ein Schwein überfahren, und nach einer halben Stunde waren wir dort und sind umgestiegen. Die Straßen im Norden sind nicht ausgebaut, und dementsprechend schlecht. Mit dem überladenen, 30 km/h schnellen Trotro, waren wir nach 3 ½ Stunden in Tamale. Von dort haben wir uns dann ein 200 Cedi teures Taxi nach Mole gegönnt; aber auch ich wollte nicht noch weitere zwei Stunden Trotro fahren müssen.


Kleines Frühstück in Akosombo vor der Abfahrt. Wer hätte gedacht, dass es noch 12 Stunden dauert?
Das Beladen dieser hochwertigen Paletten hat bloß 5 Stunden gedauert.
Unfreundlicher Captain.

Nachtlager
Mein "Bett" 2. Klasse
Fährt wohl auch 2. Klasse
Die Yapei Queen
Der einzige Gabelstapler im gesamten Hafen. Gott sei Dank, er fuhr wieder!
Die Landschaft war dann doch ganz nett.

Der Mole Nationalpark

Endlich ein Ort zum Entspannen. Gutes Essen und Pool, klimatisiertes Zimmer. Auch nicht ganz billig. Am ersten Morgen beim Gang zum Frühstück haben wir schon überraschend die ersten frei lebenden Elefanten gesehen: Direkt vor unserem Hotelzimmer; das Hotel ist mitten im Nationalpark. Das war schon unglaublich. Auch wenn ich dran vorbei gelaufen wäre, hätte mich meine Mutter nicht darauf hingewiesen, dass dort Elefanten stehen. Dann war eine Jeep-Tour geplant- die man bar bezahlen musste. Das hatte man uns am Telefon leider verschwiegen. Hätten wir nicht ein paar Euros gehabt (die wir zu einem schlechten Kurs gewechselt haben), hätten wir eine Stunde zum nächsten ATM gebraucht. Die Jeep Tour war dafür der Hammer! Zwei Stunden lang haben wir fast alle Tiere gesehen, die der Park bietet. Antilopen, verschiedene Vögel, Affen, Elefanten, etc. Der Park an sich war also sehr entspannend nach den Strapazen davor. Wäre da nicht das Auschecken gewesen. Denn die Visa Karte funktionierte nicht. Und eine mehr als unfreundliche Mitarbeiterin behauptete, wir hätten einfach „zu viel ausgegeben und kein Geld mehr“. Dass ich verstand, wie sie sich bei einem Kollegen über uns auf Twi beschwerte, habe ich ihr nicht mitgeteilt. Also bei der Bank in Deutschland angerufen, alles in Ordnung, sagte diese. Daraufhin hat uns diese Mitarbeiterin dann zu dem Ort mit dem ATM im Taxi eskortiert. Schlimm genug. Und was war mit jenem ATM? Der funktionierte nicht. Das Problem hat die Bank zum Glück noch behoben, nach einer halben Stunde, sonst wäre ich durchgedreht. Also noch ein paar böse Worte zu der unfreundlichen Frau vom Hotel, und es ging wieder nach Tamale. Dort haben wir noch eine Nacht verbracht und uns den Markt angeschaut, bevor es nach Kumasi ging.

Hier gab es dann das übliche Programm. Die Schulleitung hat mich mal wieder enttäuscht- der Bruder von Grandma ist nicht mal aufgestanden oder hat meiner Mutter die Hand gegeben, während selbst die Egg Bread Verkäuferinnen meine Mutter begeistert empfangen und umarmt haben. In der Schule schlafen durfte sie auch nicht. Abgesehen davon waren die zwei Tage in Kumasi schön. Und Grandma, die wieder da ist, hat sich bereits dafür entschuldigt.

Die Elefanten sind los!


Beeindruckende Tiere


Der chillt halt!
Chilli Milli zu zweit
My Name is not Obroni! Ich heiße nicht "Weißer"!
Jeep Tour
Wer isn da?
Im Busch.
Weils so schön ist noch einer!

Affenbande
Mole Park
Dann ging es wieder nach Accra, wo ein paar Tage vorher eine Tankstelle explodiert war und es schlimme Überschwemmungen mit sehr vielen Todesopfern gegeben hatte. Als wir kamen war davon aber nichts zu spüren.

Insgesamt lief also Vieles sehr schief, aber wir haben auch einige tolle Sachen, vor allem Landschaften, gesehen! Es war toll, in diesen vier Wochen so viele Ecken von Ghana zu sehen- es hat viel zu bieten. Für meine Mutter war es sicherlich noch anstrengender als für mich, aber auch sie hat die Reise nicht bereut, und ich war froh, ihr alles zeigen zu können.

Das war also der Reisebericht, ich hoffe, ihr habt bis zum Ende durchgehalten! Weitere Einträge dann ein anderes Mal.

Take care!