Samstag, 6. September 2014

New home for one year

Hallo an alle! In den letzten Tagen ist mal wieder viel passiert und ich versuche etwas zusammenzufassen. Bilder kommen auch endlich mal. Aber ich habe mir wohl schon ein wenig ghanaische Geduld angeeignet.

Die letzten Tage des Camps liefen entspannt ab. Am Dienstag hatten wir noch unser Twi-Exam! Einige haben sich da mit dem lernen mehr gestresst, andere weniger. Als die Aufgaben am White-Board standen hat sie aber eh niemand verstanden. Nach der Hälfte des Exams ist das auch Sampson aufgefallen, sodass wir danach auch offiziell unsere Notizen benutzen durften. Dann hat er den Raum auch gleich wieder verlassen. Es haben überraschend alle bestanden! Die Tests haben wir aber nicht mehr zu Gesicht bekommen…

Am Mittwoch morgen war es dann so weit und alle Kumasi-Leute saßen mit Gepäck im Trotro. Die Szene erinnerte sehr an meine erste Fahrt vom Flughafen und ich hatte mich schon auf die 5 Stunden gefreut, als wir dann doch an einer Bus Station gehalten haben und mit einem „VIP-Bus“ weiter gefahren sind. Die Fahrt war angenehm, es lief irgendein ghanaischer Film der wohl ganz lustig gewesen sein muss, aber mit den Gedanken waren alle bei dem, was wohl auf sie zukommt. Zwischendurch ist dann ein Mann aufgestanden und hat ca. eine halbe Stunde lang gepredigt, gebetet und uns an unseren Glauben erinnert. Dies wurde hin und wieder mit einem „Amen“ der Mitfahrer untermauert- für einen nicht besonders religiösen Menschen eine doch eher skurrile Szene. 

Nachdem ich noch ein wenig die Landschaft genossen hatte wurde es dann richtig spannend. Nach und nach wurden die Leute rausgelassen und von jemandem aus dem Projekt oder den Gastfamilien empfangen. Mit zwei anderen war ich der Letzte und wir mussten noch ein wenig an einer Tankstelle warten. Plötzlich kamen dann zwei Männer auf mich zu: „Joel? John William School?“. Schon saß ich im Auto und war nun ganz auf mich gestellt- ein komisches Gefühl. Abgeholt hat mich der an der Schule für die Freiwilligen zuständige Koordinator. Allerdings hat er seit den ersten Fragen nicht mehr mit mir geredet, was ich etwas schade fand. Noch kurz verfahren waren wir dann auch im Projekt angekommen. Ich wurde zu meinem Zimmer gebracht und den beiden anderen Freiwilligen überlassen. Zugegeben, den Start hatte ich mir etwas anders vorgestellt, zumindest ein Gespräch. Aber die beiden anderen (Richi und Carl) haben das vor 6 Monaten wohl auch nicht anders erlebt. Ich fühle mich bei ihnen schon sehr gut aufgehoben, sie haben mir etwas von dem Stadtteil und von der Schule gezeigt und einiges erzählt. 

Bei der ersten Runde habe ich gleich meinen Zimmerschlüssel verloren- der Ersatzschlüssel lag natürlich im Zimmer. Wie regelt man das hier? Indem man die Tür eintritt. Im ersten Moment hatte ich etwas Hemmungen, aber Richi und Carl haben mit versichert, dass derartiges schon häuiger vorgekommen ist. Die Tür muss ich dann die Tage noch reparieren...

Mein Zimmer ist sehr groß und hat auch einen relativ guten Standart, auch wenn es noch etwas kahl aussieht. Es ist größer als das Lehrerzimmer der Schule! Dieses ist aber auch mehr eine Abstellkammer. Da es eine Internatsschule ist leben ca. 70 Kinder hier, bis nächsten Mittwoch sind aber noch Ferien. Bis dahin sind nur 8 Kinder hier, die seit zwei Wochen da sind. Diese kommen aus Äquatorial Guinea und sprechen fast nur Spanisch, sollen aber 3 Jahre bleiben. Eine (sinnvolle?) Idee von der Schulbesitzerin, die in den USA lebt. Die Kinder sind noch mit uns auf einer Etage, Richi und Carl erzählten, dass es besonders am Anfang sehr schwierig mit ihnen gewesen sei. Mittlerweile klappt es schon besser.

Aber jetzt mal zur Schule selbst: Im ersten Moment war ich schon etwas überrascht und deprimiert. Die Klassenräume haben alle Gitter vor den Fenstern, sind nicht gestrichen und einfach nur dunkel. Man fühlt sich wie in einem Kerker. Auch die Lebensbedingungen der Kinder haben mich etwas schockiert: Sie sind mit 16 Leuten auf einem Zimmer. Und die Toiletten und Duschen…Wenn man frisch aus Deutschland kommt ist das schon sehr gewöhnungsbedürftig anzusehen. An sich ist die Schule wenig einladend, es ist alles irgendwie grau. Da kam direkt die erste Idee hoch: Wie könnte man ein bisschen Farbe an den Wänden organisieren? Das steht auf jeden Fall auf meiner Liste, aber ob das möglich ist…mal sehen.

Bis nächsten Mittwoch habe ich keine Aufgaben, davor werde ich aber wohl ein kleines Gespräch darüber haben, was ich mir vorstellen könnte zu unterrichten oder was ich sonst für Ideen habe. Die beiden Anderen erzählten aber, dass es nicht viel zu tun gibt und man sich eben etwas Sinnvolles suchen muss. Naja, ich warte es mal ab.

Bis dahin entspannen wir etwas und gehen jeden Abend in eine Bar um die Ecke (mit der unfreundlichsten Bedienung der Welt), die sehr gemütlich ist. Wir sind schon ins Zentrum von Kumasi gefahren, was mich erstmal erschlagen hat! So viele Menschen, ein unfassbar riesiger Markt usw. Die Stadt unterscheidet sich schon sehr von Accra, wo überraschend viele Obronis (Weiße) rumliefen.  Seit gestern sind noch Leo und Leo zu Besuch, zwei Freiwillige aus einem anderen Teil Kumasis, die ihren Dienst ebenfalls im Februar begonnen haben. Heute waren wir spontan bei einem Qualifikationsspiel für den Afrika-Cup! Der Eintritt hat sage und schreibe 2 Cedi gekostet, nicht mal 50 Cent. Ich bin zwar nicht Fußball interessiert, aber es war ein Erlebnis. Ich habe immerhin die Mannschaft gesehen, gegen die Deutschland noch bei der WM gespielt hat! Die Ghanaer waren aber für Uganda, aus irgendeinem Grund sind sie von der eigenen Mannschaft enttäuscht. Sie haben aber sowieso mehr sich selbst gefeiert als das Spiel. Viele Menschen wollten ein Foto mit uns machen, warum auch immer. Das Spiel ging übrigens 1:1 aus.

Wie es bei den anderen aus dem Camp so läuft kann ich nicht so genau sagen. Allerdings hat eine Freiwillige aus Finnland vielleicht bereits Malaria und versucht außerdem mit einer weitern das Projekt zu wechseln. Ansonsten scheint es allen soweit gut zu gehen.

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und freut euch auf die Bilder, die sicher bald kommen!


Gruß aus Kumasi und bis dahin!