Dienstag, 23. Dezember 2014

Frohe Weihnachten!

In ein paar Tagen bin ich genau vier Monate hier, wie die Zeit vergeht…Es wird natürlich immer noch nicht langweilig, und somit ist ein neuer Blogeintrag schon lange fällig. Ich berichte euch mal über Diebstähle in der Schule, mein Kennenlernen mit Grandma, dem Schulfest und meine Arbeits- und Feiertagspläne!


Mein Zimmer, der Selbstbedienungsladen

Ja, leider ist es wahr, mein Zimmer ist seit vielen Wochen zu einem Selbstbedienungsladen geworden. Ich zähle mal auf, was alles geklaut wurde: 80 Cedis in Bar, 3 Ladekabel, 1 Internetstick, ein USB-Stick, 2 Kartenspiele und eine Art Orden für mein Ghana-Shirt. Da hat sich jemand eben ziemlich frei bedient.

Wie war das möglich? Wie in meinem zweiten Blogeintrag beschrieben, habe ich ja am ersten Tag meine Zimmertür eingetreten, was dem Schloss nicht ganz so gut bekommen ist. Nachdem dann öfter etwas verschwunden ist, habe ich mit der Köchin gesprochen, die auch auf unserem Flur wohnt, woraufhin diese ein Schloss für die Haupttür gekauft hat. Auch mein Schloss war zwischendurch repariert, bis es irgendwann mal aufgebrochen wurde. Als es immer noch nicht aufhörte, habe ich ein Vorhängeschloss für mein Zimmer gekauft, weil es relativ günstig ist.

Vor zwei Wochen dann der Höhepunkt: Ich wache morgens auf, und mein Laptop ist verschwunden. Daneben auch Portemonnaie, erneut Kabel, Kameraspeicherkarte, erneut mein Internetstick und Schlüssel. Das alles wurde also geklaut, während ich in meinem Zimmer geschlafen habe!

Nach vielen Diskussionen kam irgendwann auch raus, das zwei Schüler den Diebstahl schon länger geplant haben, in ihren Sachen habe ich dann z.B. auch Orden und Kartenspiele gefunden. Die Portemonnaies wurden in einem Klassenraum gefunden, der Laptop in unserem „Wohnzimmer“ versteckt (eigentlich ziemlich geschickt), und nachdem sich die beiden Jungs ständig hinknien mussten und mit der Polizei gedroht wurde, kam raus, dass der Rest im Lehrerzimmer ist. Es war ein ganz schöner Kampf das alles rauszubekommen und hat mir im Nachhinein noch einige Gespräche mit dem Koordinator, dem Direktor, Madame und Grandma beschert. Aber hoffentlich hat das alles jetzt ein Ende, die Sachen aus den letzten Wochen müssen vielleicht die Eltern der beiden Schüler übernehmen, wenn das möglich ist. Die Kinder, 13 und 15, werden vermutlich von der Schule verwiesen. Das tut mir für den Jüngeren sogar etwas leider, da er mehr oder weniger gezwungen wurde. Letztendlich hat aber er den Laptop geklaut. Das war ein Tag…Es bleibt ein komisches Gefühl, dass jemand nachts unbemerkt in meinem Zimmer war. Die Tür zum Flur wird nun immer abgeschlossen!


Das Schulfest

Letzte Woche konnte ich mir zum ersten Mal das Schulfest anschauen, welches zwei Mal im Jahr stattfindet, und zwar immer dann, wenn Grandma aus den USA kommt. Dieses Jahr wieder mit hohem Besuch aus der Botschaft von Äquatorial Guinea, aufgrund der acht Kinder, die drei Jahre die John William Montessori School besuchen sollen und die nur ca. zwei Wochen vor mir in der Schule angekommen sind.

Zunächst war die Organisation sehr interessant. Am Dienstag sollte das Fest stattfinden, so gegen 10 Uhr. Noch um 9 Uhr: gähnende Leere auf dem Schulhof, als es plötzlich hektisch wurde. Schnell hat noch die Blaskapelle der Schule geübt, die Kadetten haben ihren Marsch nochmal aufgefrischt und fix wurden Boxen und Pavillons für den hohen Besuch aufgestellt. Sogar 5 Fahnenmasten wurde vor dem Tor angebracht: Für die Flaggen von Ghana, Äquatorial Guinea, der UNO (für die hat Grandma lange gearbeitet), der USA (der Mitgründer der Schule und Ehemann von Grandma, vor ein paar Jahren verstorben) und Deutschland (wegen uns). Auch ich war in meinem frisch geschneiderten African-Wear Shirt mit Orden und meinen in gerade einmal 3 Stunden auf einen angemessenen Preis runtergehandelten ghanaischen Schuhen, als es erst mal hieß zu  warten. Lange warten. Denn die von der First Lady von Äquatorial Guinea gesendete Delegation traf leider erst gegen 4 Uhr ein, also knappe 6 Stunden zu spät. Da es in Ghana ja früh dunkel wird, wurde das Programm dann auf einen Tag später verschoben und nur noch kurz ein Fußballspiel zwischen Kids aus beiden Ländern ausgetragen.

Am Mittwoch war es dann soweit und das Programm konnte gegen 14 Uhr starten, mit einer Menge Gäste: Der Repräsentant der First Lady und Botschaft von Äquatorial Guinea mit Verantwortlichem für die 8 Kids, Übersetzer und Kameramann vom Fernsehen, einem Bischof, ein paar Königen und natürlich alle, die irgendwas mit der Schule zu tun haben. Auch die Dekoration wurde nochmal überarbeitet.

Es ging los mit einer kleinen Zeremonie, in der die Kadetten der Schule zur Musik der Schulkapelle feierlich die Fahnen gehisst haben. Anschließend gab es eine kleine „Militärparade“, die „Soldaten“ sind ein wenig im Gleichschritt marschiert und haben die Gäste begrüßt. Ich habe mal gehört, das man als Kadett in der Schule ein Zertifikat bekommt, mit dem es später einfacher ist, in die Army zu kommen. Ansonsten wurde viel getanzt, es gab traditionelle Tänze aus Nigeria, aus dem Norden von Ghana und aus der Ashanti Region sowie moderne Tänze; alles zu entsprechender Musik. Es war also ziemlich interessant anzusehen, wobei ich hörte, dass es jedes Mal das Selbe ist. Natürlich wurde zwischen durch auch viel gesprochen, von den Gästen, Grandma und dem Moderator, einem Lehrer.  Am Ende gab es dann noch einen traditionellen Stuhl, der hier eine symbolische Bedeutung hat eine Ehre darstellt, sowie Kente-Stoff für die Botschaftsvertretung und umgekehrt 3000 Dollar für die Schule. Bei all dem Trubel ist mir mal wieder aufgefallen, dass diese Schule schon ziemlich gut gestellt ist.

Für mich war das Fest wirklich nett anzuschauen, mit all den Leuten im ghanaischen Outfit, auch wenn sich die Schule ein wenig selbst gefeiert hat. Es wurde betont, was für eine tolle Arbeit doch alle leisten, wie super die Kids auf das Arbeitsleben vorbereitet werden und was für unglaubliche Fortschritte die Kinder aus Äquatorial Guinea machen; sie können schon Englisch, lernen Twi und viel über die ghanaische Kultur. Einiges mag vielleicht stimmen, wirkte aber dennoch ziemlich übertrieben oder gar falsch. Natürlich standen die ganze Zeit diese 8 Kinder im Mittelpunkt, die sich schon über ihre Kleidung abgegrenzt haben: Während der Rest in normaler Schuluniform war, trugen sie extra geschneiderte ghanaische Kleidung. Sie haben ein paar Sätze auf Englisch gesagt, mussten vorkommen zum Tanzen, wobei Grandma ihnen dabei Geldscheine auf die Stirn gelegt hat; was hier oft auf Festen gemacht wird wenn einem das Tanzen gefällt. Auch von der Delegation gab es dicke Geschenkkörbe. Kein Wunder, dass sich die Boarders da ziemlich benachteiligt fühlen. Meiner Meinung nach war das ein wenig ungeschickt gelöst…Die Delegation blieb dann noch einen Tag länger und hat noch ein paar Filmaufnahmen gemacht, bis alles auch schon wieder vorbei war.


Nana Fosu-Randall

So heißt die Schulbesitzerin, die ich ein paar Tage vor dem Fest kennengelernt habe. Eine ziemlich einflussreiche Person, wie mir aufgefallen ist: Arbeit bei der UN, war mal Afrikas Frau des Jahres, Gründerin der Organisation Voices of African mothers, der Schule und einer Highschool, die gerade gebaut wird. Demnach auf jeden Fall eine interessante Person, wobei ich zugeben muss, dass das alles nicht so recht zu ihrer Art passt. Zunächst einmal war sie etwas arrogant. Ständig erzählte sie, in welchen Städten der Welt sie doch lebt, googelte sogar ein Hotel, sagte, welche wichtigen Leute sie kennt usw. Das war mir natürlich nicht gerade sympathisch. Ich habe nämlich nicht das Gefühl, dass sie alles mitkriegt was in ihrer Schule passiert. Wir wollten mit ihr über die Diebstähle und nochmal über die Sache mit Carl reden, was nicht möglich war, da sie immer abschweift und nicht so recht auf den Punkt kommt.

Allerdings muss ich sagen, dass sie die Freiwilligen bei ihren Ideen sehr unterstützt. So wollte sie wissen, was ich für Ideen habe und versucht mir in allem zu helfen und eine Lösung zu finden. Davon war ich zunächst sehr begeistert! Dann ist mir aufgefallen, dass für Leute, die freiwillig ein Jahr in einer Schule arbeiten, wofür die Schule selbst keinerlei Kosten hat, eine gewisse Unterstützung selbstverständlich sein sollte, die ich bei unserem Koordinator einfach vermisst habe. Dennoch möchte ich ihr das natürlich zu Gute halten.

Sie ist nun 6 Wochen in Ghana, davon auch eine gewisse Zeit in Accra. Mal sehen, ob ich noch viel mit ihr zu tun haben werde. Danach besucht sie die Schule ja erst wieder nächsten Sommer…


Neue Projekte, neue Aufgaben, neue Herausforderungen

Ich habe ja schon einiges über den Französisch Unterricht mit Sir Ben berichtet. Diese Phase ist nun abgeschlossen, denn seit dem 18. Dezember ist das erste Term des Schuljahres um und damit auch meine Zeit in diesem Unterricht.

Rückblickend betrachtet war dieser Job für den Einstieg doch ziemlich angenehm. Ich habe einiges über das Schulleben gelernt, habe die Kinder kennengelernt, mit Lehrern sprechen können und selbst einige Erfahrungen mit dem Unterrichten gemacht. Dabei war es manchmal schön, einen Lehrer dabei zu haben, der eingreifen kann und manchmal nervig, einen Lehrer zu haben, der auch dann eingreifen kann, wenn es gut läuft und man mal etwas selbst probieren möchte.

In den letzten Wochen drehte sich alles um die End-of-first-Term Examen. Ich habe für die Klassen 1-3 die Examen erstellt und abgetippt; als die Sekretärin das gesehen hat, durfte ich prompt auch die Französisch Examen für die Klassen 4-5 abtippen; als ein Lehrer das gesehen hat, prompt auch noch das Examen für JHS. Liegt daran, dass die Sekretärin sich wohl nicht ganz so gut in der französischen Grammatik und mit den Accents auskennt und sich in der Vergangenheit so mancher Fehler eingeschlichen hat...Auch wenn ich nicht gerade freundlich darum gebeten wurde, so viel Arbeit war es jetzt auch nicht und es war auf jeden Fall sinnvoll. Eine Woche lang, auch mit ein wenig Organisationsproblemen, die aber dem Ausfall des Druckers und dem Zorn des Stromgottes geschuldet waren, wurden die Kinder in allem geprüft was so geht, zwei bis drei Examen täglich. Die ganz Kleinen werden natürlich noch bei der Hand genommen und langsam durch die Fragen geführt. Examenaufsicht ist übrigens genauso stressig wie Unterricht. Da war ich etwas stolz, dass die Kids meine Fragen vor sich hatten- nur zuhören wollte leider keiner.

Anschließend hieß es natürlich: Korrigieren, korrigieren, korrigieren. Punkte zählen, Prozentzahlen aussrechnen, in Listen eintragen. Durchschnitt anschauen, Position in der Klasse für Französisch festlegen (Letzteres finde ich natürlich immer noch fragwürdig). Es war zwar einiges, aber so schrecklich lange hat es nun auch nicht gedauert. Mit den Ergebnissen der Kids war ich insgesamt auch zufrieden, froh war ich über ein paar, die tatsächlich 100% erreicht haben!

Am Tag nach dem Schulfest gab es dann ein kleines Weihnachtsfest in den Klassen. Als Weihnachtsgeschenke gab es die Examen zurück. Naja, und was zu essen und zu trinken für die Kids, dessen Eltern bezahlt haben. Die Lehrer hingegen wurden besonders reich beschenkt! Ebenfalls einiges an Nahrung, und auch ich habe etwas abgestaubt: 500g Waschpulver, kann ich gut gebrauchen. Das alles stammt als Dankeschön von den Eltern, für die Küche gab es sogar Hühner, im Taxi transportiert. Ich wollte den Kindern zum Abschied eigentlich noch deutsche Weihnachtslieder beibringen- allerdings waren die überall in der Schule verstreut und es trällerte Weihnachtsmusik durch die Lautsprecher über das Gelände. So habe ich einfach die Zeit genutzt und nochmal ein paar Fotos mit den Klassen und Lehrern gemacht. Es war eine wirklich weihnachtliche, interessante Atmosphäre. Ich war froh über die Zeit im Unterricht, aber auch froh, neue Projekte anzugehen.

Dazu zählt zum Beispiel ein eigener Deutschunterricht, den ich selbstständig gestalten kann. Auch wenn das aufgrund des Stundenplans vielleicht nur 1-2 mal die Woche möglich sein wird. Wenn Richi im Februar zurück nach Deutschland geht, werde ich auch die Bücherei übernehmen, was interessant werden könnte- man verbringt dort eher Zeit mit den Kindern als das es um Bücher geht.

Und jetzt noch eine gute Nachricht: Ja, ich darf endlich die Klassenräume streichen! Grandma stellt mir hierzu Geld zur Verfügung, so kann ich Farbe kaufen und dann kanns losgehen! Ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut. Eigentlich sollte das Ganze in den Ferien stattfinden, da die Zeit mit Weihnachten aber zu knapp ist, habe ich die Aktion auf die nächsten Midterm-Holidays verschoben. Aber wichtig ist, dass die Sache steht! Ich werde mir dann mit den Kindern aus Äquatorial Guinea zwei oder drei Räume vornehmen, alle anderen Boarders gehen in den Ferien nach Hause, und so haben die ein bisschen was zu tun. Ein Video wird dann natürlich auch entstehen, aber wie gesagt, erst in den nächsten Midterms, ich denke im Februar. Das Ganze mache ich nicht für das Ansehen der Schule oder für Grandma, sondern damit die Kids nicht im grauen Klassenzimmer sitzen und ich ein eigenes kleines Projekt habe.

Und sogar noch eine zweite gute Nachricht, die mich ziemlich erleichter hat: Im Februar darf Andras aus Begoro zu mir ins Projekt wechseln (auch durch den Einsatz von Grandma). Damian ist aus gesudheitlichen Gründen nun auch zurück nach Deutschland gegangen, weshalb er ihn dann auch nicht zurücklässt. Ich bin also nicht allein und werde mich dadurch definitiv wohler fühlen. Naja, vielleicht werde ich bis März alleine sein, aber das ist wohl zu verkraften.

Ansonsten werde ich ab Februar wohl auch mit einer anderen Freiwilligen einmal die Woche Deutsch in einer anderen Schule in Effiduasi unterrichten; auch hier kommen eben keine neuen Freiwilligen, aber der Unterricht soll weiter laufen. Aber darüber berichte ich dann mehr wenn es soweit ist.

Mein Filmprojekt steht natürlich auch noch auf der Liste, mit fällt es nur schwer einen Anfang zu finden.

Es gibt also noch so manches, das ich nach den Ferien umsetzen möchte. Doch erst mal zu den Ferien selbst:


Meine Feiertagspläne

Es ist ziemlich verrückt, aber morgen soll tatsächlich schon Weihnachten sein. Bei über 30 Grad irgendwie ein komisches Gefühl. Wir versuchen natürlich alle ein bisschen nachzuhelfen, um die entsprechende Stimmung zu erreichen. So habe ich eine Lichterkette und viel zu viel Lametta gekauft, ein Palm-Weihnachtsbaum soll noch schnell besorgt werden und letztens hatten wir eine kleine Adventsfeier mit Keksen und Glühwein. In Adum steht allerdings auch ein Tannenbaum vor Palmen und es wird jede Menge kitschige Weihnachtsdeko verkauft! morgen wird Heiligabend bei anderen Freiwilligen verbracht. Wir sind aber über die Tage in Kumasi, um dann am 25. und 26. ghanaisches Weihnachten bei ghanaischen Freunden mitzuerleben.

Am 27. geht es dann nach Accra, um am 28. einen Februar-Freiwilligen zu verabschieden, der zurück nach Deutschland geht. Zu Silvester geht es nach Nsawam, um mit den ICYE Freiwilligen in einem Projekt ins neue Jahr zu feiern. Direkt am ersten geht es mit Richi und Leo (vielleicht auch mit anderen) nach Cape Coast und dann entlang der Westküste, endlich mal ein bisschen reisen! Am 6. Januar geht die Schule wieder los, wir werden dann also auch zurück kommen. Soweit der Plan, ich werde euch berichten! Ich bin schon gespannt darauf, die Festtage in Ghana zu verbringen!

So, das war mal ein Update. Ich hoffe ihr fandet es interessant und habt euch tatsächlich ganz durchgekämpft. Ein paar Bildern werden, naja, vielleicht auch erst im neuen Jahr, folgen!

Ich wünsche euch allen besinnliche Weihnachten und natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr! Feiert gut, entspannt euch auch mal.

Viele Grüße aus dem nicht besonders winterlichen Ghana ins bestimmt kalte Deutschland, auch wenn es vielleicht nicht schneit. Ihr hört von mir dann im neuen Jahr wieder!

Joel J

Merry Chirstmas! Hier seht ihr Kids aus der 3A. In dieser Klasse war ich besonders gerne!