Sonntag, 31. August 2014

Die ersten Tage 

Hallo an alle! Hier ist er also, mein erster Blogeintrag aus Ghana!

Nach dem etwas traurigen Abschied von meiner Familie am Flughafen in Düsseldorf gab es noch einen kleinen Schock Moment, da meine Tickets plötzlich weg waren…Die hatte aber jemand gefunden, sodass danach alles glatt lief. Der erste Flug ging 6 ½ Stunden nach Dubai, wo es noch sehr viel heißer war als hier…Hier haben wir auch die anderen Freiwilligen getroffen und nach einem kleinen Zwischenstopp ging es für weitere 8 ½ in die Luft Richtung Accra. Ich saß auf beiden Flügen neben Andras, einem Mitfreiwilligen, sodass die Zeit relativ schnell rum ging, geschlafen habe ich allerdings kaum.

Auf dem Flughafen gab es zunächst eine Kontrolle wegen Ebola. Allerdings waren die nächsten Kontrollen nicht sehr konsequent, sodass Andras ohne Impfausweis durchgehen konnte. Am Flughafen wurden wir von Rose vom ICYE Ghana empfangen. Die Fahrt zum Arrival Camp war schon das erste Highlight: Mit 15 Leuten (samt Gepäck für ein Jahr) in einem Bulli für maximal 9 Leute, der auch schon bessere Tage gesehen hat, durch den Verkehr von Accra. Für eine relativ kurze Fahrt haben wir sehr lange gebraucht und da ich keinen richtigen Sitzplatz hatte sind meine Beine am Ende eingeschlafen. Außerdem wurde uns durchs Fenster allerhand zu kaufen angeboten, von Erdnüssen über Simkarten zu Sonnenbrillen. Tom, der am Fenster saß, hat während der Fahrt aber immer freundlich dankend abglehnt. Das Camp ist ein Hostel von der Salvation Army, der ghanaischen Heilsarmee wie ich verstanden habe. Nach einer kleinen Einführung und einem Essen gings dann erstmal in die Stadt, wir haben schon Simkarten gekauft, Geld gewechselt und waren im Supermarkt. Die Stadt ist schon sehr anders. Bürgersteige gibt es nicht wirklich, Ghanaer scheinen auch ohne Grund sehr gerne zu hupen, und als Weißer wird man besonders oft von Verkäufern angesprochen, die sehr penetrant sein können. Nach der langen Reise waren das einfach sehr viele neue Eindrücke, die erstmal verarbeitet werden mussten. Von der Wärme hier geht es übrigens noch, da gerade Regenzeit ist sind hier um die 25 Grad. Ab Septmeber wird sich das wohl ändern…Am ersten Tag habe ich dann jedenfalls nur noch mein Moskitonetz aufgehängt (welches in der Nacht direkt wieder runtergefallen ist) und bin schlafen gegangen. Auf dem Seminar sind wir 4 Jungs, mit denen ich auf einem Zimmer bin. Insgesamt sind wir 15 Leute. Wir verstehen uns ziemlich gut, aber es ist noch niemand hier mit dem ich in einem Projekt sein werde.

Das Camp geht bis Mittwoch, wir haben hauptsächlich 3 Teamer: Rose, William und Kofi. Wir haben einen Twi-Sprachkurs (die verbreitetste Sprache hier) bei Sampson, lernen etwas über Ghanas Geschichte und reden über die Arbeit in den Projekten. Die Atmosphäre ist sehr locker. Das Hostel ist für ghanaische Verhältnisse wohl hoher Standart, was nicht heißt das es immer Wasser in den Duschen gibt. Wir fühlen uns dennoch wohl, man gewöhnt sich an alles. Besonders an das Essen, mit meinem sensiblen Magen..Das ist aber an sich nicht so schlimm wie ich dachte, es gibt viel Chicken.

Am Freitag haben wir uns unsere Non-Citizen-Cards geholt, quasi unser ghanaische Pass für das Jahr. Das man auf den Passfotos hier lächeln darf haben die meisten allerdings erst später erfahren…Abends waren wir dann noch in einer Bar, man geht hier besonders Freitags feiern. Das ghanaische Bier ist lecker und die Stimmung in der Stadt einfach genial. So sehr hat sich das gar nicht von Deutschland unterschieden. Das einzige Problem war, das sich oft bettelnde Kinder an mein Bein geklammert haben und erst nach vielen Minuten weggegangen sind, nicht nur einmal. Es fällt einem natürlich schwer das zu ignorieren, aber bietet man ihnen Essen wollen sie das nicht. Aber an sich war es ein guter Abend.

Ein Highlight des Camps war heute die Namenszeremonie: In Ghana wird man nach dem Wochentag benannt an dem man geboren wurde. Es gibt also 14 Namen (7 für Frauen und 7 für Männer). Einen Nachnamen haben wir auch bekommen. Ich heiße hier jetzt also Kwame Opoku (ich bin an einem Samstag geboren und Opoku war wohl ein König hier). Mit diesem Namen sollen wir uns auch als erstes vorstellen. Teil der Zeremonie war es einen Becher mit etwas Schnaps und einen mit Wasser zu trinken. Das war eigentlich ganz lustig.

So, das war schonmal das erste Update! Die Zeit vergeht relativ schnell und es ist alles noch ziemlich ungewohnt, ein bisschen Heimweh habe ich schon auch. Aber es wird einem eigentlich nicht schwer gemacht, sich hier wohl zu fühlen. Alle sind sehr offen und interessiert. Ich werde noch ein paar Bilder hochladen! Am Mittwoch geht’s dann ins Projekt nach Kumasi, unser Twi-Lehrer nimmt wohl alle mit die dort ihren Dienst machen werden. Ich bin schon gespannt auf meine Aufgaben dort und die zwei Freiwilligen aus Deutschland, die schon 6 Monate da sind und noch weitere 6 bleiben sollen. 

Bis dann!

P.S.: Von Ebola ist hier bisher rein gar nichts zu merken. Außer der Kontrollen ist das im  Moment eigentlich kein Thema in Ghana.