Samstag, 2. Mai 2015

Das Video zum Festival



Neues von der Goldküste - Alltag

Natürlich schneide ich jetzt nicht nur noch Videos, sondern arbeite auch noch! Ich habe sogar gut zu tun…Außer im Moment, da sind Ferien. In Ghana fühle ich mich noch immer wohl. Alles ist irgendwie normal geworden, aber meine Zeit hier ist auch immer noch anders und besonders. Ich habe ja in meinem Projekt relativ viel ausprobiert, aber seit dem 2. Term habe ich das Gefühl, meine Rolle gefunden zu haben. Also hier mal der Versuch, euch einen Überblick über meine Arbeit in der letzten Zeit zu geben! Es ist mal wieder viel Text. Ich hoffe ihr kämpft euch durch! Oder lest zumindest, was ihr interessant findet. Ansonsten schaut euch das Paragliding Video an.

Arbeit in zwei Schulen

Meine Aufgaben sind gerade die Bücherei, Computerunterricht in der Grundschule, Deutschunterricht an einer anderen Schule einmal die Woche und alles, was gerade so anfällt.

German

Besonders Spaß macht mir das Deutsch Unterrichten in der vierten bis sechsten Klasse, zusammen mit einer anderen Freiwilligen. Jeden Mittwochabend fahre ich zwei Stunden nach Effiduasi, dann bereiten wir oft bis nachts den Unterricht vor und Donnerstags geht es dann durch 4 Klassen- mit nur einer viertel Stunde Pause. Das ist zwar extrem anstrengend, aber dadurch, dass wir logischerweise relativ gute Kenntnisse über die deutsche Sprache verfügen, können wir uns darauf konzentrieren, interessanten Unterricht zu machen, der anders als der trockene Rest ist. Die Kinder machen auch super gut mit, auch die Schulleitung ist sympathisch. Außer dass es vor ein paar Wochen kurz Probleme gab weil es hieß, das wir nicht mehr weiter machen können. Das wäre ziemlich schlimm gewesen, da ich wirklich alles darum geplant habe und sehr viele Diskussionen mit meiner eigenen Schule hatte, damit ich das überhaupt machen darf! Aber jetzt ist alles geklärt und wir können weiter machen. Bis August dann eben; danach sollen wieder neue Freiwillige kommen, die ganz in der Schule bleiben und jeden Tag unterrichten können. Wir machen das ja als Übergang, damit die Kids nicht zu viel vergessen wenn sie ein halbes Jahr kein Deutsch hatten...Es sind ja gerade Ferien zwischen dem 2. und dem 3. Term; die End of Term Examen haben leider gezeigt, dass wir die Deutsch Examen entweder zu schwer gemacht oder die Kinder zu wenig gelernt haben. Bei dem Korrigier-Marathon waren die erreichten Prozentzahlen leider oft keine Motivation, weiterzumachen. Aber natürlich gab es auch Leute die punkten konnten! Für den Rest werden wir uns selbstverständlich top Fördermaßnahmen für das nächste Term überlegen…und vor allem nicht zu viel in den Examen verlangen. Wir hatten das aber alles im Unterricht! –Erinnerungen an die Schulzeit, die ja noch nicht so lang her ist, werden wach.

Die Library

Die Bücherei fand ich ja anfangs etwas langweilig, aber mittlerweile gefällt es mir gut, da ich je nach Laune mehr oder weniger machen kann. Ich habe 1-4 Stunden Bücherei pro Tag, fast jede Klasse kommt einmal die Woche. Ich spiele oft mit den Kindern oder wir lesen etwas zusammen, falls wir was finden. Leider sind die meisten Grundschüler nämlich nicht an Nietzsche, Platon oder Goethe interessiert. Die Auswahl beschränkt sich aber größtenteils auf die hohe Literatur…Außerdem bekomme ich viele Fragen über Deutschland oder ich beaufsichtige nur um zu verhindern, das sich die Kinder zu sehr die Köpfe einschlagen.

Die Penpalship

Dort habe ich jetzt auch mein Projekt mit der Brieffreundschaft angefangen! Die 5. Klasse hier tauscht mit der 6. Klasse vom Aldegrever-Gymnasium (ich habe noch Kontakt zu einigen Lehrern, vor allem wegen der Schülerfirma) Briefe aus. Eine Freiwillige aus den USA hat mich auf die Idee gebracht. Für mich ist das eine ideale Möglichkeit, interkulturellen Austausch zu fördern. Die Schüler in Deutschland wissen genauso wenig über Ghana wie umgekehrt. So sollen Diskussionen aufkommen und die Briefe sollen, neben dem Verbessern der Englischkenntnisse, zum Nachdenken über das andere Land und den Kontinent anregen. Hoffentlich sind nach dem Projekt ein paar Vorurteile weniger in den Köpfen der Kinder- Vorurteile, die wir alle teilweise unbewusst aufnehmen. „Afrika, das besteht doch aus Krankheiten, coolen Landschaften mit Giraffen und so, außerdem viel Krieg und die meisten sind ganz arm.“ Klar stimmt ein bisschen was von dem. Aber „Afrika“ besteht aus vielen facettenreichen Ländern mit unterschiedlich reichen Menschen. Strom gibt es auch! Naja, manchmal.
Unterstützt werde ich dabei vor allem von den Lehrerinnen Cheryl Klawitter und Judith Kühnen, die ich noch gut kenne. Finanziert werden die Portokosten usw. durch die Schülerfirma Aldesign, bei der ich ja selbst mal Geschäftsführer war. Ohne die Unterstützung aus Deutschland könnte ich das Projekt nicht durchführen!

Vor ein paar Monaten kam dann zum ersten  Mal Post aus Deutschland. Natürlich habe ich die Kids ordentlich mit Infos über Deutschland, die deutsche Sprache und das Briefe-Schreiben gefüttert. Für die deutsche Klasse habe ich auch einiges vorbereitet. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass der ein oder andere immer noch keine Idee hatte, was eine Brieffreundschaft eigentlich ist. Und das trotz meines selbst gemalten Plakates! Aber dieses Prinzip ist den Kindern glaube ich zu fremd und sie konnten sich nicht vorstellen, mit wem sie da jetzt schreiben. Als ich dann die Namen zugeteilt habe und Bilder aufgehängt habe wurde es aber schon besser.
Die Briefe wurden jedenfalls freudig empfangen und aufgeregt gelesen. Viele haben direkt mit den Antworten angefangen, für die ich Papier, Stifte, Umschläge etc. bereit gestellt hatte. Einige haben sich wirklich viel Mühe gegeben und bunte Briefe gestaltet und sich tatsächlich auch viele Gedanken über den Text gemacht haben. Allerdings konnte es auch sehr anstrengend werden, wenn Kinder plötzlich angefangen haben, den Brief abzuschreiben, den sie bekommen haben. Wo fängt man da an zu erklären? Und waren die irgendwie die ganzen letzten Wochen nicht da?! Einige haben also mehr Hilfe gebraucht als ich dachte; auch einige, die zwei Briefpartner in Deutschland haben, da in der Klasse hier weniger Leute sind. Ein zweites Mal Malaria bei mir kam auch dazwischen, dazu ein anderes Mal mehr. Dementsprechend hat es leider einige Wochen gedauert, bis jeder seinen Antwortbrief hatte. Aber es war ein gutes Gefühl, die Post loszuschicken! Ich bin jetzt gespannt, wie die Reaktionen aus Deutschland sind.

Besonders viele Diskussionen kamen noch nicht auf. Außer, dass ich ein paar Leuten erkläre musste, das nicht jeder in Deutschland reich ist und sie deshalb nicht nach Geschenken fragen sollen. Aber ein paar Fragen kamen selbstverständlich doch, und die meisten haben Freude an dem Projekt. Wie das Ergebnis aussehen wird, sehe ich dann am Ende. Aus Deutschland habe ich aber schon gehört, dass das Nachdenken über Afrika schon in vollem Gange ist…
Das Projekt hat es sogar in den Soester Anzeiger geschafft, den Artikel könnt ihr hier lesen!





Computerunterricht. Irgendwie.

Er ist ziemlich zäh, muss aber natürlich auch erwähnt werden: Der ICT Unterricht. Lange mache ich den noch nicht, aber nur, weil es gerade keinen Lehrer gibt in der Grundschule. Ich bin etwas schockiert, dass in den offiziellen Schulbüchern zum größten Teil (mit zahlreichen Rechtschreib- und Druckfehlern sowie verpixelten Bildern) nur Spiele erklärt werden und bin auch etwas überrascht, wie ich eine ganze Stunde mit dem Thema „Wie man an der Tastatur Großbuchstaben schreibt“ füllen konnte…Aber es geht tatsächlich! Leider habe ich damit den gesamten ICT Stoff fürs zweite Term durchgenommen. Darum muss ich mir halt jetzt jede Woche etwas Neues ausdenken; aber es ist nur eine Stunde in den vier Klassen pro Woche.

Nebenbei helfe ich bei Kleinigkeiten, wie z.B. ein Schulprogramm mitorganisieren und kleine Videos machen. Ansonsten integriere ich mich, seit der Zeit alleine in der Schule, irgendwie besser und spiele nachmittags öfter mit den Kindern..An den Wochenenden bin ich dann meistens mit anderen Freiwilligen unterwegs und wir unternehmen etwas oder gehen feiern.

Besser zu zweit

Seit über einem Monat ist ja nun auch Andras im Projekt. Es funktioniert gut und ich glaube er hat sich schnell an Tanoso gewöhnt, von Besuchen kannte er es ja schon. Alleine bin ich zwar gut klar gekommen, aber auf Dauer ist es doch spannender zu zweit!

Und jetzt?

So, darum hat sich mein Ghana-Leben in der letzte Zeit also gedreht, und wird es auch bis zum Schluss. Der Alltag ist natürlich trotzdem noch irgendwie von einer ghanaischen Entspanntheit geprägt. Aber dazu ist ja dann Platz im nächsten Eintrag.

Natürlich steht einiges an in der nächsten Zeit! Eigentlich wollte ich jetzt mit Andras mein Streichprojekt durchziehen, aber die Schulleitung macht das natürlich wie immer nicht so leicht. Unser Koordinator ist tatsächlich schon länger nicht mehr hier, er soll Schulgelder hinterzogen haben. Ich bin natürlich nicht unglücklich darüber, dass ich nun den Bruder von Grandma und die Direktorin als Ansprechpartner habe und nicht mehr ihn, spare mir an dieser Stelle aber bissige Kommentare. Allerdings wollen meine neuen Ansprechpartner auch nichts von der Aktion wissen und Grandma muss wieder kontaktiert werden…Ich gebe es nicht auf und vielleicht seht ihr ja das nächste Mal Bilder von einem frisch gestrichenem Klassenraum!
Die Ferien sind ja ansonsten nicht so ereignisreich, da das Geld zum Reisen fehlt. Das macht aber nichts, da ich nach den Ferien erst mal Urlaub mache! Ich bekomme Mitte Mai Besuch von einem Freund aus Deutschland, der dann Ende Mai mit dem Besuch von meiner Mutter abgelöst wird. Ich freue mich, ein bisschen was von Ghana zeigen zu können, aber vor allem, noch mehr zu sehen! Denn natürlich wird gereist.

Nach dem ganzen Reisen geht’s dann wieder an die Arbeit, aber nicht mehr für so lange…Denn das dritte Term ist das letzte des Jahres und vor allem mein letztes in Ghana. Meinen Flug habe ich übrigens drei Wochen vorverlegt auf den 4. August, weil mir das mit dem Studium sonst zu stressig ist und ich erst noch alle meine Leute wieder treffen möchte, was ja Zeit braucht.

So, das war der Rückblick und Ausblick! Diesmal wieder in Textform. Aber die nächsten Videos sind in Arbeit.

Liebe Grüße an alle! Take care!

Kwame Joel